© Jörg Steinmetz

Online-Gespräch | 22. September 2021

Autorinnengespräch mit Eva Menasse über ihren neuen Roman »Dunkelblum«

»Ein soghafter Sprachrausch«, »ein Geniestreich«, »Das Köstlichste an diesem Roman ist ohnehin die enorme Variationsbreite an österreichischen Beleidigungen«, »Alle diese Motive hat man schon einmal gelesen, und doch ist es, als erlebe man sie zum ersten Mal in voller Farbe und in Dolby Stereo.«. Worte aus einer Rezension des ZEIT-Redakteurs Ijoma Mangold, die uns dazu veranlasst haben, den Roman »Dunkelblum« der Schriftstellerin Eva Menasse über die fiktive Kleinstadt Dunkelblum, die über Jahrzehnte eine Kultur des Schweigens über die NS-Vergangenheit gelebt hat, zu unserem Buch des Monats September zu machen und gemeinsam mit Ihnen zu lesen. Ein paar Leserinnen und Lesern dürfen wir das Buch sogar schenken.

Und natürlich möchten wir auch die Frau kennenlernen, die einen solch dichten und spannungsreichen Roman geschrieben hat. Es ist uns eine große Ehre, dass wir Eva Menasse für ein digitales Gespräch zu ihrem »Meisterwerk« (O-Ton Ijoma Mangold) gewinnen konnten. Und egal, ob Sie direkt anfangen mit dem Lesen von »Dunkelblum« oder Sie vorher noch auf anderen Seiten spazierenlesen, wir freuen uns, wenn Sie am 22. September bei unserer ersten digitalen Autorinnenveranstaltung nach der kurzen Sommerpause auf Zoom dabei wären.

Datum Mittwoch, 22. September 2021
Uhrzeit 19 Uhr
Ort Online auf www.freunde.zeit.de
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Unser Buch des Monats September 2021

»Dunkelblum« von Eva Menasse

Jeder schweigt von etwas anderem.

Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Ihr Wissen um das Ereignis verbindet die älteren Dunkelblumer seit Jahrzehnten – genauso wie ihr Schweigen über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahegelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in der Stadt ein. Da geraten die Dinge plötzlich in Bewegung: Auf einer Wiese am Stadtrand wird ein Skelett ausgegraben und eine junge Frau verschwindet. Wie in einem Spuk tauchen Spuren des alten Verbrechens auf – und konfrontieren die Dunkelblumer mit einer Vergangenheit, die sie längst für erledigt hielten. In ihrem neuen Roman entwirft Eva Menasse ein großes Geschichtspanorama am Beispiel einer kleinen Stadt, die immer wieder zum Schauplatz der Weltpolitik wird, und erzählt vom Umgang der Bewohner mit einer historischen Schuld. »Dunkelblum« ist ein schaurig-komisches Epos über die Wunden in der Landschaft und den Seelen der Menschen, die, anders als die Erinnerung, nicht vergehen.

Zur Leseprobe

Die Ak­teu­rin­nen des Abends:

Haben Sie »Dunkelblum« schon gelesen? Wie war Ihr erster Leseeindruck?

2 Kommentare

Angelika Beltz am 26. August 2021 um 10.48 Uhr:

Ein tolles Buch, das ich in drei Tagen durchgelesen habe.
Am 23. September habe ich es auf den Literaturtagen des Fördervereins des Literauthauses Wiesbaden vorgestellt.
Eva Menasse hat ein schwieriges Thema gut lesbar dargestellt. Das Lachen bleibt den Leser*innen allerdings manchmal im Hals stecken.

Stefan Fomm am 02. September 2021 um 13.28 Uhr:

Das Buch zeigt die aufs Engste verstrickte Dorfbevölkerung im Umgang mit der gesamten Episode der Judenverfolgung, von der Vertreibung bis zum Massenmord an Arbeitssklaven. Die Handlung gleicht einem Wollknäuel, bei dem man den Anfang sucht. Ich finde das Buch ist ein Meisterstück der Soziologie und Psychologie. Im Handlungsstrang werden subtile Spuren gelegt, die sich als Puzzleteile immer mehr zu einem Bild in einander zu fügen beginnen. „Beginnen“ deshalb, weil eben nach langer Zeit auch viel ungeklärt bleibt. So, wie auch in dem tatsächlichen Fall des Massakerns von Rechnitz, um den Eva Manesse herum erzählt.
Ich beschäftige mich schon lange mit dieser Zeit und finde es einen gelungenen Ansatz und als Ergänzung zur realen Geschichte – soweit sich diese im Fall von Rechnitz überhaupt noch ermitteln lässt. Besonders faszinieren mich die Psychogramme der Beteiligten im Roman. Allesamt sind sie mehr oder weiniger gebrochene und gezeichnete Persönlichkeiten.

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