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Die Politikerin Annette Schavan über »Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie ist« von dem schwedischen Gesundheitsforscher Hans Rosling:

»Weniger Aufregung führt zu besseren Einschätzungen!«

 

Welches Buch hat Sie kürzlich richtig begeistert? 
»Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie ist« – dieses Buch von Hans Rosling (1948– 2017) begeistert mich. Der Autor war Arzt, Gründer von »Ärzte ohne Grenzen« und zuletzt Professor für Internationale Gesundheit am Karolinska-Institut in Stockholm. Das Buch entstand in der letzten Phase seines Lebens. Ein Kernsatz darin lautet: »Kommen Sie zur Ruhe, bevor Sie sich entscheiden.« Seine Erfahrung: Wir liegen regelmäßig falsch, wenn wir den Zustand der Welt einschätzen sollen. Seine Provokation: Schimpansen liegen mit ihren zufalls­gesteuerten Antworten besser als menschliche Entscheidungs­träger. Seine Kern­these: Die Welt ist nicht so schlecht, wie wir denken, und es ist oftmals klar, was getan werden kann, um sie besser zu machen. Sein Traum: eine »auf Fakten beruhende Weltsicht«.

Handelt es sich um ein Buch, das Ihrer Meinung nach gerade jetzt aktuell ist? 
Unbedingt. Wir rätseln immer häufiger: Was sind Fakten, was ist Fake? Wir sprechen von »Blasen«, in denen dies und das behauptet und hochgeschaukelt wird, jenseits von Fakten, die sogar eher hinderlich sind. Wir bewegen uns bei zentralen Themen in heller Aufregung und nahezu apokalyptischer Stimmung – meist kurzzeitig, bevor der nächste Aufreger kommt. Das Buch von Hans Rosling führt das auf faszinierende und entwaffnende Weise vor und fordert faktenbasierte Debatten.

Was bleibt nach der Lektüre hängen? 
Weniger Aufregung führt zu besseren Einschätzungen! Fakten dürfen nicht Stören­friede sein, damit unsere Meinung richtig bleibt. Die Realität hilft zu verstehen.

Und was lesen Sie sonst noch?
Desmond Shum, »Chinesisches Roulette« – weil ich seit vielen Jahren in den deutsch-chinesischen Beziehungen engagiert bin und immer weniger weiß, wie ein Dialog in Zukunft noch möglich sein soll angesichts der Entwicklungen in China. Der Autor, einer der neuen Milliardäre in China, erzählt seine Geschichte und die seiner mittlerweile spurlos verschwundenen Frau.
Lukas Rietzschel: »Raumfahrer« –  weil ich auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Lernende bin im Blick auf Ostdeutschland und die Menschen dort.

Zehn Jahre lang Kultus­ministerin in Baden-Württemberg, acht Jahre lang Bundes­bildungs­ministerin im Kabinett von Angela Merkel, dazu neun Jahre lang Abgeordnete der CDU im Bundestag als direkt gewählte Abgeordnete des Wahl­kreises Ulm und bis 2018 Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom: Die Rheinländerin Annette Schavan, Jahrgang 1955, hat sich in unterschiedlichen Themen und politischen Positionen engagiert. Um die Aberkennung ihres Doktor­titels, die zu ihrem Rücktritt als Bundes­ministerin führte, gab es eine langwierige Auseinandersetzung. Heute ist sie Mitglied in zahlreichen Kuratorien, unter anderem in der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«. Über Bildung, Glauben und gesellschaftliche Verantwortung hat Annette Schavan zahlreiche Bücher geschrieben, im September 2021 erschien, von ihr herausgegeben: »Die Hohe Kunst der Politik. Die Ära Angela Merkel«.

 

Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie ist

von Hans Rosling mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling (2019)

In einer Zeit, die durch Kriege, Natur­katastrophen und eine immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich geprägt ist, tragen viele Menschen beängstigende Bilder im Kopf. Es wird alles immer schlimmer, und eine schreckliche Nachricht jagt die andere. Warum dies mitnichten der Realität entspricht, erklärt der schwedische Statistiker und Wissenschaftler Hans Rosling. Seine Schwiegertochter Anna Rosling Rönnlund und sein Sohn Ola Rosling haben »Factfulness«, mit dem er ein fakten­basiertes Gerüst liefert, um die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, nach Hans Roslings Tod fertig geschrieben. Übersetzt wurde das Buch von Hans Freundl, Albrecht Schreiber, Hans-Peter Remmler. ZEIT-Redakteurin Claudia Wüstenhagen beschrieb Hans Rosling in ZEIT Wissen als den »Regisseur der Zahlen«, der durch seine Methode der evidenzbasierten brutalen Vereinfachung das Weltbild der Menschen verändern möchte.

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