Die Schauspielerin Aylin Tezel empfiehlt den Roman »Der verlorene Sohn« von Olga Grjasnowa:

»Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, aber die Gedanken und Gefühle des Protagonisten – der zwischen seinem Herkunftsland und seiner neuen Heimat und zwischen den Kulturen und unterschiedlichen Religionen sich zu finden versucht – sind zeitlos.«

 

Welches Buch hat Sie kürzlich begeistert?
Olga Grjasnowa, die Autorin des Romans »Der Russe ist einer, der Birken liebt«, für dessen Verfilmung ich vor Kurzem in Deutschland und Israel vor der Kamera stand, drückte mir kurz vor meinem Abflug nach Tel Aviv ihren neuen Roman »Der verlorene Sohn« in die Hand. Ich las ihn auf dem Weg durch die Wüste und war vollkommen fasziniert von der Lebensgeschichte des jungen Jamalludin, der 1839 von seinem Vater, einem mächtigen Imam in den kaukasischen Bergen, als Pfand bei Kriegsverhandlungen an die Russen gegeben wird. Jamalludin wächst am Hof des Zaren auf und versucht trotz der schmerzlichen Sehnsucht nach seiner Familie in der Fremde zu sich zu finden.

Was macht dieses Buch für Sie gerade jetzt aktuell?
Die Heimatlosigkeit, die Jamalludin verspürt. Die ständige Erinnerung an seine Wurzeln, während er versucht sich in einem fremden Land einer neuen Sprache zu bemächtigen, um einen Platz zu finden, den er sich nicht aussuchen konnte, sondern an den ihn das Schicksal und der Verlust seines Zuhauses geführt haben. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, aber die Gedanken und Gefühle des Protagonisten – der zwischen seinem Herkunftsland und seiner neuen Heimat und zwischen den Kulturen und unterschiedlichen Religionen sich zu finden versucht – sind zeitlos.

Wen würden Sie vor dem Buch warnen und warum?
Ich mag Geschichten, die vom Menschsein erzählen, von der Suche nach dem richtigen Lebensweg und von der Erforschung der eigenen Seele oder der Menschen, denen man begegnet. »Der verlorene Sohn« ist eine besondere Geschichte, die für mich genau um diese Punkte zirkuliert und bei der ich mir vorstellen kann, dass sie viele Leser berühren wird. Eine Warnung kann ich nicht aussprechen, ich würde eher viel Spaß beim Lesen wünschen.

Und was lesen Sie sonst so?
Ich lese normalerweise meistens auf Englisch. Momentan lese ich »Conversations with Friends« von Sally Rooney. Die irische Autorin hatte mich zuletzt begeistert mit ihrem zweiten Roman »Normal People«, der von Regisseur Lenny Abrahamson zu einer 12-teiligen Serie verfilmt wurde. Auch William Boyd kann ich empfehlen, »Any Human Heart« und »Sweet Caress« gehören zu meinen Favoriten.

 

Die Schauspielerin Aylin Tezel, die wahrscheinlich viele aus dem Dortmunder »Tatort« kennen, ist kommende Woche im sechsteiligen Drama »Unbroken« zu sehen. In der Miniserie spielt Tezel die hochschwangere Kommissarin Alex, die spurlos verschwindet und nach einer Woche blutverschmiert, ohne Erinnerung und ohne Babybauch wieder auftaucht. Von ihrem Säugling fehlt jede Spur. Die Thrillerserie läuft kommende Woche Dienstag und Mittwoch ab 21.45 Uhr auf ZDFneo und ist ab morgen in der Mediathek verfügbar.

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