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Der Musiker Bosse über den Jugendroman »Warten auf Wind« von Oskar Kroon:

»Beeindruckend ist die Ehrlichkeit, mit der Kroon über schwere Themen schreibt.«

 

Wie bist du auf das Buch gekommen?
Da meine Frau Kinderbücher schreibt und selbst sehr gerne die Bücher ihrer Kolleg*innen liest, bekomme ich immer mal wieder eine Perle von ihr auf mein Nachtschränkchen gelegt. »Warten auf Wind« beschreibt sehr schön und einfühlsam den Sommer, den ein Mädchen bei seinem Großvater verbringt.

Gibt es einen Absatz, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Den eindrücklichsten Moment zu verraten wäre ein Spoiler. Aber eigentlich sind es vor allem die ganz alltäglichen Szenen und der Ton, die das Buch besonders machen und einen beim Lesen mal schnell auf eine abgelegene Felseninsel in Schweden katapultieren. Man kann beim Lesen die Sonne und das Meer spüren, auch den Schmerz, den die Hauptfigur Vinga spürt, wegen der Trennung ihrer Eltern, und die Schmetterlinge, die sie im Bauch hat, als sie sich auf der Insel verliebt … Alles in allem ein sehr sinnliches Buch, könnte man sagen. Außerdem beeindruckend ist die Ehrlichkeit, mit der Kroon über schwere Themen schreibt. Fest steht, dass er ein starkes, sehr besonderes literarisches Kinderbuch mit einem ganz eigenen Sound geschrieben hat, das bisher jeden begeistert hat, dem ich es empfohlen habe.

Was macht das Buch für dich gerade jetzt aktuell?
Ich denke, das Buch ist ein Klassiker, das wird immer aktuell sein. Ein bisschen mehr Sommer und Wind um die Nase kann man doch immer vertragen. Jetzt gerade besonders. »Warten auf Wind« ist kein 0815-Kinderbuch und Vinga eine LGBTQ-Heldin, die nicht über sich hinauswachsen muss, sondern einfach so bleiben darf, wie sie ist, das mag ich daran.

Wen würdest du vor dem Buch warnen und warum?
Ich würde niemals jemanden vor einem Buch warnen. Das ist, wie wenn man Kindern sagt: »Tu dies nicht, tu das nicht.« Jeder muss doch seine eigenen Erfahrungen machen, und Lesen ist für mich etwas sehr Persönliches. Jeder muss und sollte das lesen, was seine Intuition empfiehlt, dann ist es auch das richtige Buch in dem Moment. Auch wenn es vielleicht furchtbar langweilig ist. Dann muss man eben entscheiden, ob man weitermacht oder nicht. Ich halte meistens bis zum Ende durch, weil ich bisher doch noch in jedem Buch wenigstens einen wertvollen Satz gefunden habe. Ich glaube »American Psycho« war das einzige, das ich dann in die Ecke geschmissen und nicht weitergelesen hab. Hätte mich damals jemand davor gewarnt – hat wahrscheinlich auch jemand – hätte ich es trotzdem gelesen …

Wo liest du am liebsten und warum? Und was liest du sonst so?
Am liebsten lese ich im Urlaub, weil dann der Kopf frei und die Zeit da ist, gänzlich abzutauchen. Ich lese alles … von Fuck you bis Goethe, könnte man sagen.

 

2013 erscheint sein erster Hit – »Die schönste Zeit«. Seitdem füllt der Sänger Bosse in normalen Zeiten die größten Konzerthallen Deutschlands. »Sunnyside« ist sein während der Pandemie entstandenes und unlängst erschienenes Album – das achte. Es geht um Liebe, Beziehungen, Selbstreflexion und um gesellschaftliche Verantwortung. Und trotz der zum Teil schweren Themen kommt es mit Synthesizer und Drumloops sehr lässig daher. Aber Sie sollten am besten selbst reinhören.

 

Warten auf Wind

Von Oskar Kroon (2021)

Oskar Kroon arbeitete erst als Journalist, bevor er sich zum Bäcker umschulen ließ. Heute backt er nur noch selten, dann, wenn neben dem Schreiben und der Familie noch Zeit dafür ist. »Warten auf Wind« wurde von Stefan Pluschkat aus dem Schwedischen übersetzt. Es ist der erste Roman von Kroon, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Eine mit Leichtigkeit erzählte Geschichte über das Erwachsenwerden – auch für die, die es schon sind. Es geht um Vinga, die den Sommer bei ihrem Opa auf der Insel verbringt. Sie liebt diese Wochen weg von den Sorgen zu Hause. Anders als Rut, die die Insel hasst und auch sonst das Gegenteil von Vinga ist. Rut bringt alles durcheinander. Vor allem Vingas Gefühle.

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