
Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer über den Roman »Die Farbe von Milch« von Nell Leyshon:
»Das Buch ist eindrucksvoll und berührend, in einem sehr besonderen Schreibstil.«
Welches Buch hat Sie kürzlich richtig begeistert?
Ein Buch, das mich wirklich begeistert hat, ist »Die Farbe von Milch« von Nell Leyshon. Es wurde mir von Freunden empfohlen, und ich brauchte erst einen Moment, um in die Geschichte hineinzufinden. Aber dann hat sie mich voll und ganz in ihren Bann gezogen. Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens namens Mary, das mit seiner Familie auf einem Bauernhof lebt und ein entbehrungsreiches Leben führt – ein Leben, das sich für viele heutzutage kaum mehr vorstellen lässt.
Was mich besonders abgeholt hat, ist die Sprache: Sie ist unverblümt und direkt, und genau das macht sie so kraftvoll. Das Buch hat etwas sehr Mitfühlendes und erzählt über die Verantwortung zum Leben. Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie Menschen trotz aller Widrigkeiten ihren Platz im Leben finden können und sich mit ihrem Schicksal arrangieren. »Die Farbe von Milch« ist ein Buch, das ich wirklich jedem nur empfehlen kann. Es ist eindrucksvoll und berührend, in einem sehr besonderen Schreibstil.
Können Sie sich mit einer Figur aus dem Buch identifizieren? Oder haben Sie aus diesem Buch etwas Neues über sich gelernt?
Ich empfinde besonders die Entschlossenheit und den Mut der Hauptfigur als eine große Inspiration. Sie stellt sich den Herausforderungen ihres entbehrungsreichen Lebens mit einer beeindruckenden Kraft und Ehrlichkeit, die mich wirklich berührt hat. Sie zeigt, dass es oft die unscheinbaren Menschen sind, die eine unglaubliche innere Stärke besitzen und uns daran erinnern, wie wichtig es ist, bei sich selbst zu bleiben – unabhängig von äußeren Erwartungen und Umständen. Das Buch zeigt sehr schön, wie wichtig es ist, sich nicht von den Herausforderungen des Lebens einschüchtern zu lassen und sich selbst und seinen Überzeugungen treu zu bleiben. Ein Thema, das an Aktualität auch nie verliert.
Und was lesen Sie sonst so?
Ich lese wirklich ganz unterschiedliche Bücher, je nach Stimmung und Anlass. Viele bekomme ich auch geschenkt oder empfohlen. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel auch »Holly« von Stephen King gelesen – ein ziemlich heftiges Buch, das ich nur in Etappen lesen konnte –, und parallel dazu habe ich »Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger gelesen, das schon lange auf meiner Liste stand. Es gibt aber auch Klassiker, die mich immer wieder faszinieren, wie »Der Schatten des Windes« von Carlos Ruiz Zafón, »Das Bildnis des Dorian Gray« von Oscar Wilde oder auch »Narziß und Goldmund« von Hermann Hesse. Manchmal sind es intensive, tiefgründige Werke und manchmal einfach spannende Romane. Ich habe zum Beispiel auch die »Biss«-Bücher von Stephenie Meyer sehr geliebt. Diese Vielfalt ist das, was das Lesen für mich so besonders macht.
Haben Sie einen Lieblingsort für Ihre Lektüre?
Meistens liege ich auf dem Boden, während ich lese. Das kann ich auch sehr lange tun. Ansonsten auch manchmal im Zug oder im Flugzeug, aber ich bin niemand, der in der Warteschlange sein Buch aufschlägt.
Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer, geboren in Münster, aufgewachsen in Warendorf, gründete mit Anfang zwanzig seine erste Firma und verkaufte die Mode auf einem Markt auf Ibiza. Dort entdeckte ihn auch Udo Lindenberg und bestellte gleich fünf Brokatjacken für seine Tournee. Es folgten Aufträge wie Uniformen für eine Fluglinie. Seit 2012 ist er die Seele und das Gesicht der erfolgreichen Vox-Show »Shopping Queen«: Zu einem bestimmten Motto dürfen sich fünf Frauen ein Outfit zusammenstellen, am Ende vergibt Kretschmer dafür Punkte von 0 bis 10. Im vergangenen Jahr erschien sein Buch »19.521 Schritte. Vom Glück der unerwarteten Begegnung«. Kretschmer lebt in Hamburg, ist bekennender Hunde-Freund, Tierschützer und aktiv bei der DKMS.