Florentin Will empfiehlt »The Stench of Honolulu« von dem amerikanischen Autor Jack Handey:

»Der Roman ermöglicht einen sehr Comedy-haften Blick auf die Welt – mit vielen absurden Details.«

 

Das Buch in drei Wörtern:
Ich brauche nur zwei: sehr lustig!

Wie bist Du auf das Buch gekommen?
Ich habe einen Podcast gehört, in dem es um Jack Handey ging, der einen sehr eigenen Comedy-Stil hat. Er hat viele Kurzgeschichten und Aphorismen geschrieben und mit »The Stench of Honolulu« eben auch einen kompletten Roman. Als ich von dem Buch hörte, habe ich es mir sofort geholt und mich direkt verliebt – in ihn und seinen Schreibstil.

Was macht das Buch für Dich gerade jetzt aktuell?
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt – ein sehr zuverlässig unzuverlässiger Erzähler – und sie beschreibt einen total bizarren Charakter. Der Roman ermöglicht einen sehr Comedy-haften Blick auf die Welt – mit vielen absurden Details. Die Welt ist ja leider nicht immer nur gut und manchmal tut es da gut, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Ich glaube, dass das einem durch so manch schwere Situation hindurch helfen kann und das ist ja auch das, was Comedy im besten Fall leisten kann: Die Welt durch eine Humor-Brille abbilden und sie damit leichter verkraftbar zu machen!

Wen würdest Du vor dem Buch warnen und warum?
Jemand der sich selbst und das Leben sehr ernst nimmt und daran auch nichts ändern möchte. Und auch jemand der vorhat, in nächster Zeit nach Honolulu zu fliegen, sollte das Buch vielleicht lieber nicht lesen. Honolulu kommt dabei nicht sehr gut weg.

Was bleibt nach dem Lesen?
Die weirde Perspektive des Protagonisten bleibt auf jeden Fall hängen. Man merkt als Leser – trotz der Ich-Perspektive – die ganze Zeit, was diese Figur alles falsch versteht und wie sehr sie in der Einschätzung des Verhaltens anderer Menschen daneben liegt. Da fällt mir zum Beispiel die Szene ein, als die Hauptfigur von Fledermäusen und Pelikanen angegriffen wird, sich danach zu seinem Freund Don rettet, der »Are you okay?« fragt und der Protagonist nur antwortet: »Oh great, now questions!« Dadurch bekommt man als Leser selbst einen anderen Blick auf die Dinge. Dieser Perspektivwechsel auf die Absurditäten der Welt bleibt auch nach dem Lesen.

Wenn Du mit einem Charakter aus dem Buch tauschen könntest, welcher wäre das und warum?
Definitiv mit der erzählenden Hauptfigur, weil die einfach ignorant und dumm ist. Alle anderen Menschen sind ihr völlig egal und sie schaut nur, wie die Welt für sie selbst passt, so führt sie ein sehr gutes Leben. Das ist natürlich kein moralisch erstrebenswerter Lebensstil, aber die Figur hat auf jeden Fall eine Menge Spaß und eine Menge interessante Ideen und Erlebnisse.

Was können wir von angelsächsischer Comedy lernen?
Den absurden Humor! Es gibt natürlich diese ganze observational-comedy-Tradition mit Jerry Seinfeld und Larry David, die in Deutschland auch stark Fuß gefasst hat. Deutscher Humor arbeitet sich aber noch mehr am Alltag und am Erleben der Zuhörer ab, was sie kennen und verstehen. Das ist natürlich auch in Ordnung und sehr lustig, aber was man im angelsächsischen Raum sieht ist die Kunst die Absurdität herauszuarbeiten. Da fallen mir die Briten Monty Python ein. Oder aus den USA der Schauspieler und Komiker Eric André oder die Zeichentrickserie Rick and Morty, die den Mut haben, die Zuschauerinnen und Zuschauer auch zu fordern und in verstörende Situation zu bringen. Das fehlt noch ein bisschen in Deutschland. Das kann man sich aus solchen Büchern, wie dem von Handey, abschauen.

Was liest Du sonst so?
Das wird jetzt vermutlich überraschen, aber ich lese durchaus auch viel Ernstes: Im Moment zum Beispiel »Durchbruch bei Stalingrad« von Heinrich Gerlach, aber das kommt vielleicht gerade nicht so gut. Man will ja nicht noch weiter runterziehen. Ansonsten lese ich auch viele Sachbücher. Und klar: Natürlich auch viele Comedy-Bücher. Aus dem Deutschen kann ich zum Beispiel Giulia Becker empfehlen.

 

Für Florentin Will einen Jobtitel zu finden, ist schwierig. Beim Internetsender »Rocket Beans TV« ist er Moderator, mit seinem eigenen Podcast »Das Podcast Ufo« Podcaster, mit seiner Reihe »Florentin Will erklärt die Welt« Youtuber und in der Netflix-Serie »How to sell drugs online (fast)« ist er Polizist – äh Schauspieler. Bekannt ist er vielen auch durch seine Auftritte beim »Neo Magazin Royale« mit Jan Böhmermann. Bei allem ist er aber vor allem eins: sehr lustig.

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