ZEIT-Redakteur Francesco Giammarco über »Mythos« von Stephen Fry, eine Nacherzählung der griechischen Götter-Mythologie:

»Die Geschichten kennt man ja in harmloserer Form aus der Kindheit und der Schule. Jetzt kommen Blut und Sex dazu. Macht die Sache noch viel interessanter.« 

Gibt es einen Absatz, einen Charakter oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 
Wenn relativ am Anfang des Buches der Titan Kronos seinen Vater Uranos (den Himmel) mit einer Sichel entmannt und sein abgetrenntes Genital über Griechenland hinweg ins Meer schleudert und aus dem Schaum aus Blut und Samen die Göttin Aphrodite geboren wird – da bekommt man schon große Lust, weiterzulesen.

Wie bist du auf das Buch gekommen?
Ich habe mir schon lange vorgenommen, mich mit den griechischen Göttern zu beschäftigen (die zeitgenössischen Götter sind irgendwie langweilig). Und als ich sah, dass Stephen Fry, den ich sehr mag, ein Buch zum Thema rausgebracht hat, habe ich es mir besorgt.

Wen würdest du vor dem Buch warnen und warum?
Niemanden. Dieses Buch sollte jeder lesen. Die Geschichten kennt man ja in harmloserer Form aus der Kindheit und der Schule. Jetzt kommen Blut und Sex dazu. Macht die Sache noch viel interessanter.

Was macht das Buch für dich gerade jetzt aktuell?
Wenn man liest, wie viel Intrigen, Inzest und Gewalt auf dem Olymp unter den Göttern herrschten, ist man von einer angeblich radikalen Serie wie »Game of Thrones« schon viel weniger beeindruckt. Und wenn man sich klarmacht, dass Zeus gleichzeitig Vater und Ur-Urgroßvater von Herakles ist, ist man von einer Serie mit seltsamen Familienverhältnissen wie »Dark« viel weniger verwirrt. Kurz, man lernt: Die Originale sind immer noch am besten, und alles war schon einmal da.

… und was liest du sonst so?
Zeitung. Und alte Kolumnen von Martenstein.

Francesco Giammarco ist Redakteur im Entdecken-Ressort der ZEIT. Dort berichtet er von alltäglichen Dingen, die jeden etwas angehen. Für einen seiner ersten Artikel bei der ZEIT startete er einen Selbstversuch: Berühmt in vier Wochen. Er nahm sich vier Wochen Zeit, um auf Instagram berühmt zu werden. Für eine andere Geschichte ist er nach Saint-Tropez gereist und hat versucht, eine Luxusjacht zu kapern. Hat beides nicht wirklich funktioniert. Sind aber sehr lesenswerte Stücke.

Jetzt zum Newsletter »Was wir lesen« anmelden

  • Persönliche Buchempfehlungen von Journalisten, Künstlerinnen, Politikern und Leserinnen und Lesern
  • Verlosungen der spannendsten Neuerscheinungen
  • Kostenlose Hörbücher und Leseproben
  • Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen mit Autorinnen und Autoren
  • Jede Woche, kostenlos in Ihrem Postfach

Buchempfehlungen im Überblick