ZEIT-Campus-Redakteurin Katharina Meyer zu Eppendorf empfiehlt den Roman »All das zu verlieren« von Leïla Slimani:

»Wenn die Geschichte einen derart anzieht, dass man die nächsten Seiten gleichzeitig kaum erwarten kann und doch das Ende niemals erreichen möchte.«

 

Es gibt ein Gefühl, das nur ein Buch in einem auslösen kann: Wenn die Geschichte einen derart anzieht, dass man die nächsten Seiten gleichzeitig kaum erwarten kann und doch das Ende niemals erreichen möchte. Mich ergriff dieses Gefühl das letzte Mal, als ich »All das zu verlieren« der französisch-marokkanischen Leïla Slimani im ICE von Leipzig nach Hamburg las. Über Slimani hatte ich schon viel gelesen – sie gilt als »Stimme der neuen französischen Literatur«, ihre Werke sind mehrfach ausgezeichnet –, allerdings noch nie etwas von ihr. Ich entschied mich als Erstes für »All das zu verlieren«, ihren Roman, in dem es um die Zerrissenheit einer jungen Frau in Paris geht: Adèle arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, reist viel und lebt mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Was ihre Familie allerdings nicht weiß: Adèle führt noch ein zweites Leben, in dem sie durch die Pariser Nächte eilt, sich mit fremden Männern trifft und mit vielen von ihnen schläft. Bis ihr die Kontrolle entgleitet und sie an den Erwartungen an sich selbst fast zerbricht. Weil Slimani so präzise schreibt, dass es fast schmerzt, las ich die 218 Seiten von »All das zu verlieren« in der wunderschönen Neuauflage der Büchergilde Gutenberg fertig, noch bevor ich den Hamburger Hauptbahnhof erreichte. Leider kann man das Gefühl eines ersten Mals niemals wiederholen. Gerade deswegen will man aber ja auch immer wieder von ihm erzählen.

Die Journalistin Katharina Meyer zu Eppendorf schreibt manchmal für DIE ZEIT, meist für unser Studierenden-Magazin ZEIT Campus. Dass sie die richtige Ansprechpartnerin für gute Buchempfehlungen ist, wussten wir von ihrem Instagram-Account. Besonders lesenswert sind aber auch die Beobachtungen, die sie auf Twitter teilt.

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