Der Journalist und TV-Moderator Louis Klamroth empfiehlt das Sachbuch »Sei kein Mann: Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist« von JJ Bola:

»Dieses Buch erweitert Horizonte, in dem es Stereotype von Männlichkeit erklärt, hinterfragt und zerstört.«

 

Das Buch in einem Satz?
Dieses Buch erweitert Horizonte, in dem es Stereotype von Männlichkeit erklärt, hinterfragt und zerstört.

Was macht das Buch für Sie gerade jetzt aktuell?
An alle Männer, die das hier lesen: Wir müssen reden! Es gibt immer noch krasse Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen. Und wir Männer sind da – Überraschung – leider nicht ganz unschuldig dran. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass Frauen im Schnitt immer noch weniger verdienen als Männer. Aber war euch klar, dass Frauen immer noch drei Mal so häufig unbezahlt Angehörige pflegen oder doppelt so häufig die Arbeit im Haushalt übernehmen?

Viel schlimmer noch: jede vierte Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle oder körperliche Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt – und zwar in allen sozialen Schichten. Jede dritte Frau wird am Arbeitsplatz belästigt. Ich könnte die Liste fortführen, wahrscheinlich wären einige von euch dann genervt, würden diesen Newsletter abbestellen. Andere würden sich aber vielleicht auch die Fragen stellen, die wir uns alle stellen sollten: Machen wir es uns als Männer zu leicht, wenn wir bei solch einer Faktenlage einfach nur betroffen beteuern, wie schlimm das alles ist? Die Antwort liegt auf der Hand. Deshalb müssen wir tiefer bohren, fragen, was heißt es heute ein Mann zu sein? Was für Auffassungen haben wir von Männlichkeit und wie werden Jungs erzogen, die zu Männern heranwachsen? JJ Bola beantwortet all diese Fragen in seinem Buch. Es könnte nicht aktueller und wichtiger sein.

Wen würden Sie vor dem Buch warnen und warum?
Alle, die Angst haben, dass ihre »Männlichkeit« in Frage gestellt wird. Allen, die angesichts der massiven Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen nur mit den Schultern zucken. Ich würde sie warnen, denn ihr Weltbild könnte gefährlich durchgeschüttelt werden nach der Lektüre dieses Buches.

Was bleibt nach dem Lesen?
Nach dem Lesen bleibt die Erkenntnis, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Dass es vor allem an uns Männern liegt, antiquierte Vorstellungen von Männlichkeit ad acta zu legen. Das brächte uns ein ganzes Stück weiter auf dem Weg hin zu einer gerechten Gesellschaft und würde auch uns Männer aus so manch starrem gesellschaftlichen Korsett befreien.

Haben Sie beim Lesen des Buches etwas Neues (über sich) gelernt?
Sehr viel sogar. Das Buch hat mich gezwungen, meine eigene Sozialisation noch mal zu hinterfragen. Mir den Spiegel vorgehalten und mir gezeigt, wie auch ich unbewusst zu einem System beigetragen habe, welches Frauen benachteiligt.

P.S. Ich habe übrigens durch »Sei kein Mann« auch gelernt, dass ich mit meinen männlichen Freunde nicht rangeln muss, wenn ich ihnen nah sein möchte, sondern dass ich sie auch einfach mal öfter umarmen darf.

Louis Klamroth ist Moderator und Journalist. Seit 2016 zu sehen in »Klamroths Konter« auf n-tv. Dort fühlt er seinen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf den Zahn und ist damit Deutschlands jüngster Polit-Talker. Wenn Sie sich fragen, woher Ihnen das Gesicht sonst noch bekannt vorkommen könnte – als Jugendlicher spielte Klamroth die Hauptrolle in »Das Wunder von Bern«.

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