Die LINKEN-Politikerin Susanne Hennig-Wellsow empfiehlt den Roman »Couscous mit Zimt« von Elsa Koester:

»Die zeitlich versetzten Dialoge und inneren Monologe, die ganz eigenen Stimmen der drei Frauen, all das verbindet sich zu einer erzählerischen Melodie, die mir noch immer im Kopf nachklingt.«

 

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mit einem Eingeständnis beginnen: So gern ich Literatur lese, so selten komme ich dazu. Das ist natürlich keine Ausrede, und Koketterie mit meiner Arbeit als Politikerin liegt mir äußerst fern. Aber in Zeiten, in denen man in den täglichen Videokonferenzen öfter einmal Kolleg*innen vor Zimmerwände füllenden Bücherregalen sitzen sieht, wird mir sogar noch öfter bewusst, wie sehr mir doch Muße und Gelegenheit fehlen, mich in einen Roman zu versenken. Zuletzt hat mir das Elsa Koester mit ihrem »Couscous mit Zimt« ermöglicht. Besser gesagt: geschenkt. Ein herausragendes Buch, eine Geschichte dreier Frauen: von Lisa, ihrer Mutter Marie und der Großmutter Lucile. Was nach »Frauenliteratur« klingt – welch schreckliche Schublade – , eröffnet ein großes Panorama. Der Roman handelt von Kolonialismus und Feminismus, von Tunesien, einem vergangenen Frankreich und dem Heute in der Pariser Avenue de Flandre, von Träumen und Ängsten. Vor allem aber: von starken Frauen, ihrem Verhältnis untereinander, von Konfrontation und Liebe, von historischen Prägungen und dem Ringen damit, von Innen und Außen. Und trotzdem passt auch die Rezensionsfloskel »Familienroman« hier ganz und gar nicht. Elsa Koester kenne ich persönlich; sie ist Journalistin, und ich bin Politikerin, wir haben beruflich miteinander zu tun. Das macht etwas mit einem beim Lesen eines Buches, man sucht in der Geschichte nach der Person der Autorin. Habe ich sie da gefunden? Was ich gefunden habe, ist ein ganz besonderer Ton, ein Rhythmus. Es ist die Sprache von »Couscous mit Zimt«, die Sprache von Elsa Koester, die ich in Erinnerung behalten werde. Die zeitlich versetzten Dialoge und inneren Monologe, die ganz eigenen Stimmen der drei Frauen, all das verbindet sich zu einer erzählerischen Melodie, die mir noch immer im Kopf nachklingt. Und, das verrät schon der Titel: Man kann diesen Roman sogar beim Lesen riechen.

Susanne Hennig-Wellsow, Jahrgang 1977, ist Vorsitzende der Linksfraktion in Thüringen und des Landesverbandes der Linken. Gemeinsam mit Janina Wisseler bewirbt sie sich dieser Tage um den Vorsitz der Bundespartei. Aussichtsreiche Gegenkandidaten gibt es nicht. Der Parteitag findet morgen und übermorgen online statt.

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