Der Autor und Podcaster Tommi Schmitt empfiehlt den Roman »Ein ganzes Leben« von Robert Seethaler:

»Es hat mich immer wieder an die eigentlich total logische Tatsache erinnert, dass es Leben gibt, die nichts mit dem zu tun haben, was mein Leben so ausmacht.«

 

Das Buch in drei Wörtern
Melancholie, Genügsamkeit, Natur.

Was macht das Buch für Sie gerade jetzt aktuell?
Ganz einfach: Ich glaube, dass es in den kommenden Jahren auf Genügsamkeit ankommt. Sonst bekommen wir ein Problem. Und Andreas Egger, der Protagonist, lebt diese durchaus melancholische Genügsamkeit in den Bergen vollends aus. Nicht ganz freiwillig, aber dann doch irgendwie schon. Auch wenn er auf Bedürfnisse wie Zuneigung und Arbeit nicht verzichten kann. Und es geht um Einsamkeit, die leider auch zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Was bleibt nach dem Lesen?
Dankbarkeit und Philanthropie.

Haben Sie beim Lesen des Buches etwas Neues gelernt?
Es hat mich immer wieder an die eigentlich total logische Tatsache erinnert, dass es Leben gibt, die nichts mit dem zu tun haben, was mein Leben so ausmacht. Dass es Menschen gibt, die einfach leben, ihrer harten Arbeit nachgehen, sich nur wenige Fragen stellen, leiden, Schicksale hinnehmen und mit den Gegebenheiten klarkommen, die ihnen zur Verfügung stehen. Und auch genau in dieser vermeintlichen Tristesse versuchen, das Glück zu suchen und zu erschaffen.

Und was lesen Sie sonst so?
Bücher über das Schreiben, Bücher über Medien, Biografien, zuletzt über Max Frisch – großartig! Autoren, von denen ich alles lese: Max Goldt, Stuckrad-Barre. Beim Strandurlaub darf es auch mal ein Bestseller-Schund-Thriller sein, in dem irgendwo in Schweden fünf Menschen abgemetzelt werden – aber das läuft für mich dann eher unter dem Genre »Comedy«, weil es so ein herrlicher Blödsinn ist und man natürlich ab Kapitel zwei schon ahnt, wer der Mörder ist. Fantastisch!

Der erfolgreiche Comedy-Autor Tommi Schmitt schrieb schon während seines Studiums Witze für die Fernsehshow »TV total«. In seinem Podcast »Gemischtes Hack«, den er gemeinsam mit dem Comedian Felix Lobrecht macht, geht es mit viel Humor um die Banalitäten des Alltags. Wer hätte gedacht, dass Schmitt, der hauptberuflich witzig ist, eine solch ernste und melancholische Buchempfehlung abgibt?

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