Die Journalistin und Podcasterin Stefanie Luxat empfiehlt die Autobiografie »Ungezähmt« von Glennon Doyle:

»Es ist eins dieser Bücher, die einen noch lange begleiten. Vollgeklebt mit Post-its an den besten Stellen, die Freund*innen so lang zu hören bekommen, bis sie das Buch endlich auch kaufen.«

 

Woher wissen wir, ob wir wirklich ein selbstbestimmtes Leben führen? Und nicht nur die Ideen anderer wiederholen? Indem wir alles, wirklich alles, infrage stellen. Genau das empfiehlt US-Autorin Glennon Doyle in ihrem internationalen Bestseller »Ungezähmt«, und genau aus diesem Grund liebe ich dieses Buch.

Doyle beginnt die Erzählung über ihr Leben mit der Metapher einer Gepardin im Zoo. Warum bricht diese wilde Jägerin nicht aus dem Käfig-Gefängnis aus, obwohl sich Chancen dafür bieten? Weil sie es nicht für möglich hält, dies schaffen zu können. Sie wurde so konditioniert, dass sie sich nur zutraut, sich innerhalb bestimmter Grenzen zu bewegen. Genau wie Doyle, Millionen Menschen und auch ich oft. Und warum? Weil es uns vorgelebt wurde, über Jahrzehnte hinweg. Doch all diese Gefängnismauern innerhalb unserer Sozialisierung reißt Glennon Doyle eine nach der anderen ein, warnt als dreifache Mutter vor der Märtyrerrolle, in die sich viele Mütter drängen lassen. Glaubt sich jahrelang nicht selbst, dass sie im Grunde gern in einer homosexuellen Beziehung leben würde, bis sie die US-Spitzensportlerin Abby Wambach trifft, sich von ihrem Ehemann scheiden lässt und erneut heiratet. Heute ist das Paar mit Doyles Ex-Mann gut befreundet, und während sie erzählt, wie das funktioniert, denkt man: »Ja klar. Warum denn auch nicht?!« Doyle macht kein Geheimnis aus all den Herausforderungen, die ihr das Leben stellte, als sie noch nicht so mutig war, ihren eigenen Weg zu gehen. Im Gegenteil: Sie erzählt über ihre Alkohol- und Drogensucht, ihre Essstörung, über ihren fremdgehenden Gatten – so ehrlich, dass man anschließend die Lust verliert, mit anderen nur noch über das Wetter zu sprechen. Ihr Drang, tief ins Leben einzutauchen, keine Wunde auszulassen – vielleicht ist das dem einen oder anderen zu viel, möglicherweise »zu eso«, wie es gerade häufig heißt. Vielleicht ist es für all die aber auch genau das Richtige.

Letztlich ist das gleichgültig, denn es geht darum, sich von den Erwartungen anderer zu befreien. In meinem »Endlich Om«-Podcast formulierte Glennon Doyle den schönen Satz: »Wir müssen aufhören, andere nach dem Weg zu Orten zu fragen, an denen sie noch nie waren.« Wir wissen, was für uns das Beste ist, wir müssen es uns nur auch selbst glauben.

Warum das Buch gerade jetzt relevant ist? Der Lockdown macht es schwer, vor uns selbst abzuhauen. Und er zeigt, wie wichtig das Miteinander ist. Doyle spricht in ihrem Buch auch das wichtige Thema Rassismus an. Sie engagierte sich für die Trump-Abwahl und führte mithilfe ihrer Stiftung »Together Rising« viele Familien wieder zusammen, die an der mexikanischen Grenze auseinandergerissen wurden. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und »Exit Racism« von Tupoka Ogette gleich mitbestellen. Dann hat man zwei wirklich schlaue Frauenstimmen immer in sich, sollte man mal wirklich guten Rat brauchen.

 

Stefanie Luxat betreibt eines des erfolgreichsten Online-Magazine für Lifestyle-Themen und hat ein sicheres Gespür dafür, sich und anderen das Leben schöner zu machen. Ihre Einsichten und Hinweise teilt die Journalistin, Buchautorin (»Wie sag ich’s meinem Mann?«) und Podcasterin u. a. in ihrem »Endlich Ich«-Abo auf OhhhMhhh.de.

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