ZEIT-Autorin Carolin Würfel über die Memoiren »Frausein« von Mely Kiyak:

»Müsste ich das Buch in drei Worten beschreiben, würde ich sagen: ›Frausein‹ ist bedingungslos, heldinnenhaft und frei.«

 

Unangefochtenes Lese-Highlight in diesen grauen Tagen ist »Frausein« von Mely Kiyak. Auf das Buch bin ich durch meine ehemalige Lektorin Charlotte von Lenthe gekommen, die beim Hanser Verlag in München arbeitet und mich glücklicherweise regelmäßig mit Neuerscheinungen versorgt.

Müsste ich das Buch in drei Worten beschreiben, würde ich sagen: »Frausein« ist bedingungslos, heldinnenhaft und frei. Engstirnige Menschen, die Angst vor entfesselten Frauen haben und an traditionelle Verhältnisse und Geschlechterrollen glauben, würde ich vor diesem Buch warnen. Die Gefahr: Nach dem Lesen wollen sie möglicherweise selbst ausbrechen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, dabei unzählige Sätze angestrichen, die seitdem in meinem Kopf wohnen und daran erinnern, dass Ichsein und Leben nach eigenem Beat trotz eingeschriebener Narrative durch Familie, Herkunft und Sozialisierung gelingen kann. Eine meiner Lieblingsstellen: »Auf die ehrlich an mich selbst gestellte Frage, womit ich am zufriedensten und ruhigsten war, lautete die Antwort: mit mir. Einfach nur mit mir.«

Ich würde mit der Erzählerin des Buches nicht tauschen wollen, aber sie inspiriert mich, rüttelt wach und bringt Klarheit. Statt zu tauschen, würde ich sie gern treffen, obwohl ich gar nicht wüsste, was ich sie eigentlich fragen sollte, sie hat ja alles, was Frausein heißt und meint, schon aufgeschrieben, aber vielleicht würde ein Funken ihrer Selbstverständlichkeit überspringen.

Lesen geht eigentlich immer und überall. Meistens sitze ich jedoch auf meinem Sofa vor der großen Bücherwand. Im besten Fall kann ich dort bis zum Ende des Buches sitzen bleiben. Ich finde, wenn es die Zeit erlaubt, sollte man einmal ganz und gar eintauchen und sich von der Geschichte verschlucken lassen.

Die ZEIT-Autorin Carolin Würfel ist 1986 in Leipzig geboren. Heute lebt sie in Berlin. Ihre Schwerpunktthemen: Feminismus und Ostdeutschland. Vor zwei Jahren hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht: »Ingrid Wiener und die Kunst der Befreiung«

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