ZEIT-Redakteur Christian Fuchs über den Reiseführer »52 kleine & große Eskapaden« von Sylvia Pollex:

»Ich möchte gern ehrlich zu Ihnen sein. Kein Buch habe ich in den vergangenen Jahren häufiger in die Hand genommen als dieses.«

Natürlich hätte ich auch meinen Lieblingsromancier T.C. Boyle hier vorstellen können. Seine hart an der Realität orientierten Geschichten handeln von prüder Sexualmoral, sich selbst belügenden Hippies oder Rassismus in der liberalen Mittelschicht. Keiner formuliert brillanter, beobachtet gnadenloser und seziert damit unsere westlichen Gesellschaften eleganter als Boyle. Jeder Roman ist nicht nur ein großer Lesegenuss, sondern lässt mich auch stets mit Fragen an mein eigenes Dasein zurück.

Oder ich hätte den genialen Roadtrip »Die Psychopathen sind unter uns« vorstellen können, in dem Jon Ronsen zu den Verrückten an den Schaltstellen der Macht reist. Auch über die unübertroffenen Sachbücher des New Yorker Wissenschaftsautors Malcolm Gladwell hätte ich schreiben können. Gladwell macht die Welt für mich zu einem Ort, den ich besser verstehe. Leichtfüßig, aber mit einem riesigem Sachverstand erklärt er, wie kleine Trends zu Hypes werden oder warum manche Menschen erfolgreich werden – und andere scheitern.

Aber ich möchte gern ehrlich zu Ihnen sein. Hunderte Bücher stehen in meinen Regalen, aber keines habe ich in den vergangenen Jahren häufiger in die Hand genommen, in meinen Fahrradkorb gepackt oder hinter die Windschutzscheibe eines Bullis gelegt als: »52 kleine & große Eskapaden« von Sylvia Pollex. Die Reiseautorin zeigt Geheimtipps vor der Haustür: Egal, ob man nur ein paar Stündchen aus dem Alltag flüchten möchte, einen ganzen Tag oder gleich ein ganzes Wochenende. Ihre Entdeckungen beschreibt sie mit liebevollen Texten und grandiosen Fotos von Thomas Rötting. Gerade in diesen Zeiten, in denen man nicht mit dem Moped durch den kambodschanischen Dschungel fahren oder sich durch Transsilvanien treiben lassen kann, bieten die Mini-Fluchten zu Fuß, mit dem Rad, dem Kanu oder als Schnitzeljagd mit einer App vertikale Exotik im Alltag. Und das Beste: Das Paradies ist stets ohne Auto erreichbar, meist mit der S-Bahn. In der Reihe sind bereits Eskapaden für 40 Städte und Regionen in Deutschland erschienen.

Christian Fuchs ist Autor im Investigativ-Ressort von ZEIT und ZEIT ONLINE. Er hat den Skandal um Dieter Wedel mit aufgedeckt und damit die #MeToo-Debatte nach Deutschland geholt, recherchiert zu Lobbyismus und immer wieder über Rechtsextremismus. 2019 ist sein bisher letztes Buch, der Bestseller »Das Netzwerk der Neuen Rechten« (gemeinsam mit dem ZEIT-Kollegen Paul Middelhoff), erschienen, das er auch bei den Freunden der ZEIT bereits vorgestellt hat. Hier kann man seinen Auftritt als Podcast nachhören.

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