Auf Wiedersehen

Warum reist der Mensch?

Weil er Fernweh hat. Weil er das Abenteuer sucht, Neues erleben und Fremdes entdecken will. Weil er besser, klüger, reicher an Erfahrungen werden möchte. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wir reisen auch, weil es uns drängt, etwas oder jemanden wiederzusehen, das oder den wir einmal
gefunden haben: einen Ort, einen Strand, einen Menschen – Licht, Liebe, Erleuchtung. Wie die Kaiserpinguine oder die Lachse zieht es uns dorthin zurück, wo wir schon einmal waren. Selbst Menschen, denen alles Stammgasthafte fremd ist, packen ihren Koffer, um einer Erinnerung zu folgen, die tief in ihnen wartet. Da braucht es nur einen kleinen Schubs: ein altes Reisetagebuch, ein Kleidungsstück, das aus den Tiefen eines Schranks zum Vorschein kommt, einen Facebook- Post. Unseren Autor Bjørn Erik Sass erreichte die Frage eines Baptistenpredigers aus den USA, ob er vielleicht jener jugendliche Tramper sei, der vor dreißig Jahren eine Nacht im Haus seiner Familie in Mississippi verbracht hatte – und da sah er sich wieder in dieser Küche sitzen: der Spucknapf des Vaters, die staunenden Augen der Kinder, alles wieder da. Bald machte er sich auf den Weg zu diesem fernen Bekannten aus einem anderen Amerika. Im Frühling 2019 ist »Auf Wiedersehen« keine Floskel mehr.

Stefanie Flamm
Redakteurin im Ressort Z, DIE ZEIT

Kostenlos für Freunde der ZEIT

Weitere E-Books